Ersatzteilnetzwerk Österreich
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Projekt des Demontage- und Recycling-Zentrum DRZ im Auftrag der INITIATIVE "Abfallvermeidung in Wien", MA 48, 2004
Inhalt:
Beim Projekt Ersatzteilnetzwerk Österreich handelt es sich um den Aufbau einer Ersatzteilnetzwerk (ETN)-Abteilung im DRZ – Demontage- und Recycling-Zentrum in Wien, der Anbindung dieser Abteilung an das von der Werkstatt Frankfurt aufgebaute Ersatzteilnetzwerk in Deutschland sowie der Schaffung der Rahmenbedingungen zur Erweiterung dieses Netzwerkes auf nationaler und/oder internationaler Ebene.
Im DRZ werden seit Mitte des Jahres 2003 Haushaltsgroßgeräte und Elektrokleingeräte von einem Mistplatz der Gemeinde Wien übernommen und manuell schadstoffentfrachtet. Im Zuge des Projektes sollte die Demontage dieser Elektro(nik)-Altgeräte (i.d.F. EAG) um den Bereich der Gewinnung von gebrauchten Ersatzteilen aus den übernommenen Waschmaschinen, Geschirrspülern, Herden und Kombithermen erweitert werden. Alle Ersatzteile sollten nach dem Ausbau auf deren Funktionalität geprüft und gegebenenfalls wieder instand gesetzt werden. Eine entsprechende Lagerhaltung sollte aufgebaut und der Vertrieb über einen Internet-Shop organisiert werden.
Die EAG-Richtlinie und der aktuelle Entwurf zur österreichischen EAG-Verordnung schreiben vor, dass der Wiederverwendung Priorität einzuräumen ist. Das Projekt trägt dieser Zielsetzung in mehrfacher Hinsicht Rechnung. Zum einen wird damit ein direkter Beitrag zur Wiederverwendung von Bauteilen aus EAG geleistet. Zum anderen können die vom ETN angebotenen gebrauchten Ersatzteile zu einem Preis angeboten werden, der in etwa 30 % dessen beträgt, welcher für einen Originalersatzteil bezahlt werden müsste. In vielen Fällen liegen die Reparaturkosten aufgrund der teuren Ersatzteile fast so hoch wie der Preis eines Neugerätes, wodurch viele Konsumenten auf die Reparatur des kaputten Gerätes verzichten und dieses entsorgen. Durch den Einbau der angebotenen gebrauchten Ersatzteile können die Reparaturkosten von Waschmaschinen, Geschirrspülern, etc. drastisch gesenkt werden und Reparaturen werden wieder rentabel. Die Nutzungsdauer der Geräte wird somit verlängert und das Abfallaufkommen an EAG kann verringert werden.
Ergebnisse und Schlussfolgerungen:
Im Zuge des Projektes konnte die ETN-Abteilung im DRZ sowohl in Bezug auf Infrastruktur als auch in personeller Hinsicht vollständig aufgebaut werden.
Dank der von der Werkstatt Frankfurt zur Verfügung gestellten Basisinformationen konnte auch die gesamte Produktlogistik in relativ kurzer Zeit umgesetzt werden: von der Geräteselektion und dem Ersatzteilausbau über die Reinigung, Instandsetzung, Prüfung bis hin zur Lagerhaltung.
Bis Ende 2004 konnte ein Lagerstand von etwa 1.400 Stück aufgebaut werden. Die meisten eingelagerten und nachgefragten Ersatzteile sind Druckschalter, Programmschalter und -schaltwerke, Bedienknöpfe und Antriebsmotoren.
Ein wichtiger Leitgedanke bei der Planung der einzelnen Arbeitsabläufe war, diese so auszurichten, dass alle Arbeitsschritte von angelernten Transitarbeitskräften durchgeführt werden können. Dieser Gesichtspunkt erforderte eine hohe Standardisierung und genaue Beschreibung der einzelnen Arbeitsschritte. Diese stellte auch in Bezug auf den Netzwerkgedanken im Sinne eines gemeinsamen Qualitätsmanagements eine Notwendigkeit dar.
Die Idee, Ersatzteile als Netzwerk anzubieten, entstand aus der Überlegung heraus, gemeinsam eine möglichst hohe Angebotssicherheit zu erreichen, welche bei ca. 25 unterschiedlichen Ersatzteilarten für eine Vielzahl von unterschiedlichen Gerätemodellen von mehr als 25 Herstellern nur bei einem entsprechend hohen Lagerstand gewährleistet werden kann. Dies kann am besten erreicht werden, indem mehrere Betriebe ihre Ersatzteile über einen gemeinsamen Internetshop anbieten.
Zu diesem Zweck wurde in einem ersten Schritt für das DRZ bis Mai 2004 eine so genannte Eingabesoftware entwickelt, über die die instand gesetzten Ersatzteile seit diesem Zeitpunkt EDV-mäßig erfasst werden. Spezifiziert werden die Ersatzteile über Stammdaten wie Geräteart, Hersteller, Modell-Typ, Ersatzteilart und diverse Ersatzteilnummern, die auch Suchkriterien im Internetshop des Ersatzteilnetzwerkes darstellen und den jeweiligen gesuchten Ersatzteil eindeutig spezifizieren.
Schwieriger als ursprünglich erwartet gestaltete sich die angestrebte Netzwerkverbindung an das Ersatzteilnetzwerk in Deutschland. Die Anbindung der Eingabesoftware des DRZ an die von der Werkstatt bisher verwendete Software hätte einen unverhältnismäßig hohen finanziellen Aufwand bedeutet. Da die Werkstatt Frankfurt im selben Jahr 2004 mit der Einführung eines Warenwirtschaftssystems begann, welche die softwaremäßige Anbindung der Eingabesoftware des DRZ begünstigte, wurde seitens des DRZ mit der direkten Anbindung zugewartet. Zur Überbrückung wurde ein „Vorab-Shop“ programmiert, der es dem DRZ erlaubt, die in der Eingabesoftware erfassten Ersatzteile über eine Homepage mit Suchabfragen direkt im Internet anzubieten. Weiters wurde eine Kooperation mit einer Internetplattform angebahnt. Beide Vorhaben konnten bis Jahresende soweit umgesetzt werden, dass sie in den ersten Monaten des Projektfolgejahres abgeschlossen werden konnten.
Weiters konnte hingegen ein großer Teil der rechtlichen und Kooperationsbedingungen mit der Werkstatt Frankfurt bis Jahresende geklärt bzw. soweit abgearbeitet werden, dass die noch ausständigen Details im Laufe des ersten Quartals 2005 geklärt werden können.
Aus Verkaufsdaten des R.U.S.Z. – Reparatur- und Service-Zentrum, Direktbefragungen bei weiteren Reparaturbetrieben in Wien sowie Literaturrecherchen wurde eine Marktanalyse erstellt, die ein monatliches Verkaufspotential von gebrauchten Ersatzteilen in Wien von ca. € 3.800,- ergab.
Schneller als erwartet, konnte mit der Erweiterung des Netzwerkes auf nationaler Ebene begonnen werden. Das rege Interesse anderer sozialökonomischer Betriebe im Netzwerk „Beschäftigung & Umwelt“ an einer eigenen Anbindung an das Ersatzteilnetzwerk führte dazu, dass eine Arbeitsgruppe gebildet wurde, in der wichtige Vorarbeiten zur operativen Umsetzung des Ersatzteilnetzwerkes in Österreich im Rahmen des EQUAL-Projektes EcoNet ab 2005 geleistet wurden.
KONTAKT:
Projektleiter: Dipl.-Ing. Markus Spitzbart
Demontage- und Recycling-Zentrum DRZ
Vogtgasse 29, 1140 Wien
Tel.: +43 1 9821648-0