Vermeidung von Baustellenabfällen in Wien
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Projekt des Österreichischen Ökologie-Instituts im Auftrag der INITIATIVE "Abfallvermeidung in Wien", MA 48, 2003
Der Endbericht wurde in 4 Teile aufgeteilt:
- Teil 1: Kurzfassung, Einleitung, Methoden und Daten
- Teil 2: Inhalt
- Teil 3: Ergebnisse
- Teil 4: Schlussfolgerungen, Ausblick und Empfehlungen
Motivation:
Bei Neubaumaßnahmen ist abhängig von der zu errichtenden Wohnfläche von einem durchschnittlichen Abfallanfall von ca. 67 kg / m2 Wohnfläche auszugehen, bei Sanierungsarbeiten von ca. 33,5 kg/ m2. Bei Abbruchmaßnahmen fallen pro Kubikmeter umbautem Raum ungefähr 455 kg Abfall an. Bei getrennter Erfassung beträgt der Gesamtanteil an verwertbaren Abfällen bei Neubaumaßnahmen ca. 65 %. Der Rest von 35 % sind bemischte Baustellenabfälle. Bei Abbruchmaßnahmen können bis zu 85 % der Abfallmenge sinnvoll verwertet bzw. wieder verwendet werden. Ein hoher Erfassungsgrad der getrennt gesammelten Abfallfraktionen hat natürlich erhebliche Auswirkungen auf die anfallenden Entsorgungskosten – Kostenersparnis zu 75 % ist möglich.
Jährlich fallen in Wien rd.170.000 t Baustellenabfälle an. Baustellenabfälle sind alle Rückstände außer Bauschutt, die bei Neubau, Ausbau, Sanierung oder Abriss von Bauwerken anfallen. Im praktischen Bautrieb stellen Baustellenabfälle ein Gemisch aus unterschiedlichsten Resten von Baustoffen, Bauhilfsstoffen, Bauchemikalien und Bauzubehör dar. Diese sind mit Anteil an Bodenaushub, Bauschutt, Verpackungsmaterialien, Sonderabfall und sonstigen Bestandteilen vermischt. Die Zusammensetzung von Baustellenabfällen weist große Schwankungen auf. Die unterschiedliche Zusammensetzung wird Art der Bau- bzw. Abbruchmaßnahmen, Bauvolumen, Bauphase, Art (Wohngebäude, Nichtwohngebäude, Sonderbauwerk), Bauart und Bauweise, Nutzung und Alter des Bauwerkes sowie durch dessen Standort beeinflusst. Sie differiert zeitlich und örtlich sehr stark und hängt maßgeblich von der jeweiligen regionalen Entsorgungssituation (rechtliche Rahmenbedingungen, Gebühren für die Deponierung bzw. Sortierung, Entfernung zur Behandlungsanlage, Mark für Sekundärrohstoffe) ab.
Inhalt:
Der Endbericht zum Projekt "Vermeidung von Baustellenabfällen in Wien" beschreibt in der Einleitung die relevanten rechtlichen Rahmenbedingungen. Im Kapitel "Verwendete Methoden und Daten" werden Theorie und Durchführung der Probenahme, Nachsortierung und die analytische Untersuchung von Baustellenabfällen und einzelner Fraktionen erläutert. Im Kapitel "Inhalt" sind Daten zur Bauwirtschaft, Aufkommen, Zusammensetzung, Sortierung und Verwertung von Baustellenabfällen und typische Baustellen in Wien dokumentiert. Im Ergebnisteil werden für die einzelnen Fraktionen die Analysewerte mit Literaturangaben vergleichen und Vermeidungsmaßnahmen formuliert. Im Abschnitt "Schlussfolgerungen" sind Möglichkeiten zur Wieder- und Weiterverwendung von Bauteilen, Stoffliche Verwertungsmöglichkeiten und allgemeine Vermeidungsstrategie von Baustellenabfällen beschreiben. Der Endbericht schließt mit einem Ausblick insbesondere in Hinblick auf weiteren Forschungsbedarf.
Ziele:
Das Ziel des Projekts war die Erarbeitung von Vermeidungsstrategien für Baustellenabfälle in Wien. Basierend auf den Ergebnissen einer Probenahme, Nachsortierung und einer analytischen Untersuchung einzelner Fraktionen von Baustellenabfällen sollten Schlussfolgerungen auf die Sortierung, Verwertung und Vermeidung von gemischten Baustellenabfällen gezogen werden. Eine Baustellendokumentation, Ergebnisse einer Literaturrecherche und Interviews mit den relevanten Akteuren der Baubranche sollten die aktuelle Entsorgungssituation skizzieren. In der Schlussberatung sollte der primäre Fokus auf Vermeindungsstrategien von gemischten Baustellenabfällen gelegt werden.
Methode:
Im vorliegenden Projekt "Vermeidung von Baustellenabfällen in Wien" wurden folgende Methoden verwendet, um das Projektziel zu erreichen:
- Literaturrecherche (Rechtliche Rahmenbedingungen und Daten zur Bauwirtschaft, Verwertung, Sortierung, Aufkommen und Zusammensetzung von Baustellenagfällen in Österreich, Internationale Vergleich, allgemeine Vermeidungsstrategien)
- Baustellendokumentation und Interviews (Typologie von Baustellen, derzeitige Entsorgungspraxis aus Sicht der Bauträger, Architekten, Sammel- und Verwertungsbetrieben)
- Probenahme und Probenaufbereitung (Charakterisierung der Fraktionen aus der Sammlung von Baustellenabfällen)
- Vergleich der Analysewerte mit Literaturwerten bzw. Richt- und Grenzwerten (Herkunft, Zusammensetzung, Sortierung und Verwertung der einzelnen Fraktionen)
- Erarbeitung von Abfallvermeidungsstrategien basierend auf der Literaturrecherche, Baustellendokumentation, Interviews, Probenahme und Probenaufbereitung, Charakterisierung der Fraktionen, Vergleich der Analysewerte mit Literaturwerten bzw. Richt- und Grenzwerten
Daten:
Für die Erreichung des Projektzieles wurden folgende Daten erhoben:
- Rechtlichen Rahmenbedingungen für Wien
- Daten zur Bauwirtschaft, Aufkommen, Zusammensatzung, Sortierung und Verwertung von Baustellenabfällen
- Entsorgungssituation auf Baustellen
- Analyse-, Literatur-, Richt- und Grenzwerte für die einzelnen Fraktionen und Schadstoffe
- Möglichkeiten zur Wieder- und Weiterverwendung von Bauteilen
- Stoffliche Verwertungsmöglichkeiten
- Vermeindungsstrategie von Baustellenabfällen
Ergebnisse der praktischen Analyse:
Zieht man als Richtwert zur Beurteilung der Altholzqualität die deutsche Altholzverordnung heran, kann auf Basis der durchgeführten Untersuchung zusammenfassend festgestellt werden, dass sämtliche Schadstoffgehalte der aus Baustellenabfällen aussortierten Fraktion „unbehandeltes Altholz“ unter den Grenzwerten liegen. Die beiden beprobten Chargen „behandeltes Altholz“ hingegen, weisen jeweils zumindest eine Grenzwertüberschreitung auf. Daraus kann der Schluss gezogen werden, dass eine Sortierung an der Anfallstelle (=Baustelle) zum Erlangen einer qualitativ hochwertigen Altholzfraktion zwar anzustreben ist, allerdings auch im Zuge einer Nachsortierung eine für die stoffliche Verwertung geeignete Altholzfraktion gewonnen werden kann. Die PAK-Belastung der aus Baustellenabfällen aussortieren Bau- und Abbruchhölzer zeigt allerdings sehr deutlich, dass einer Altholzsortierung direkt an der Anfallstelle der Vorzug zu geben ist, da nur an der Quelle die Herkunft der Hölzer – und damit deren potenzielle Schadstoffbelastung – nachvollziehbar ist. Die Untersuchung der Bauschuttfraktion ergab eine Einhaltung der Grenzwerte mit Ausnahmen des Parameters "polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe". Bei den untersuchten Bauschuttproben ist zu vermuten, dass die hohen PAK-Gehalte z.B. durch mineralisches Material aus Kaminabbrüchen, Kunststoffe, holzschutzmittelbehandeltes Holz und sonstige Bauchemikalien hervorgerufen werden. Eine Vermeidung aus quantitativer Sicht kann nur durch eine Mengenreduzierung des anfallenden Bauschuttes zum Thema kommen.
Ein Vergleich der Analysenwerte für die Kunststoffration mit Literaturwerten zeigt für keinen der Parameter ungewöhnliche Abweichungen.
In der ersten Analysenserie für Altpapier sind die Werte für Blei und Kupfer und in der zweiten Analysenserie für Mangan und Flour deutlich höher als die Literaturwerte. Da im Zuge der Probennahme eine genaue Zuordnung der Anfallbaustelle des jeweiligen Probenmaterials nicht möglich war, sind auch keine eindeutigen Aussagen bezüglich der Schadstoffquellen möglich.
Betreffend der Parameter Chrom und Kupfer liegen die Messwerte der Sortierrestproben unterhalb der Grenzwerte für Bodenaushubdeponien. Der Messwert für Cadmium entspricht exakt dem Grenzwert für Bodenaushubdeponien. Der gemessene Heizwert von 17.219 kJ / kg TS liegt deutlich über dem Grenzwert von 6.600 kJ / kg für Abfälle aus einer mechanisch-biologischen Vorbehandlung. Dieser Umstand und ein Glühverlust von 46 Masse-% sind Indizien, dass der Anteil an organischem Kohlenstoff (TOC) den Grenzwert von 5 Messe-% für die zulässige Ablagerung von Abfällen überschreitet.
Strategien zur Vermeidung von Baustellenabfällen:
Bei der im Zuge des Projektverlaufs durchgeführten Baustellendokumentation zeigte sich deutlich, dass die gemischte Erfassung von Baustellenabfällen noch immer gängige Praxis ist. Doch nicht fehlende Vermeidungs- und Verwertungstechnologien, sondern organisatorische Schwachstellen scheinen der Hauptgrund für eine vielfach unökologische sowie unökonomische Bausstellenentsorgung zu sein.
Bei den mit Bauherren, Bauträgern, Planern and Architekten durchgeführten Interviews zeigte sich deutlich, dass die Abfallentsorgung auf Baustellen in der Planungsphase nicht als Kostenfaktor erkannt und thematisiert wird. Die im Zuge von Bautätigkeiten anfallenden Abfälle auf einer Baustelle können nach Fraktionen getrennt gesammelt oder gemeinsam in einem Sammelbehälter erfasst werden. Sobald bestimmte Mengen von Bauabfällen überschritten werden, ist eine Trennung der Abfälle vom Gesetz her vorgeschrieben.
Eine Vermeidung von Vermischungen der auf Baustellen anfallenden Anfälle kann den qualitativen Abfallvermeidungamaßnahmen zugeordnet werden. Dabei wird durch die Getrennthaltung verwertbarer, schadstoffhaltiger und kontaminierter Abfälle die Qualität des Abfallaufkommens beeinflusst.
Jede Abfallvermischung erschwert, beschränkt bzw. verhindert nachgeschaltete Verwertungsmöglichkeiten. Die Vermischung von belasteten und unbelasteten Abfällen kann zu einer Einstufung des gesamten Abfalls als schadstoffhaltig bzw. kontaminiert führen, was eine Steigung der Entsorgungskosten nach sich zieht.
Die ARGE ÖKOmacher betreibt einen Sortierbetrieb in Wien mit dem Ziel die Sortiereffizienz der Baustellenabfälle zu verbessern. Der verbleibende Restmüllanteil konnte von 27,5 % (1996) auf 9,5 % (2002) reduziert werden. Der Restanteil kann durch die getrennte Erfassung sortenreiner Fraktionen durch Sortierinseln vor Ort oder durch eine Nachsortierung in einer Sortieranlage minimiert werden. Pilotprojekte mit Sortierinseln haben gezeigt, dass in Folge einer getrennten Erfassung das Aufkommen von gemischten Baustellenabfällen drastisch reduziert werden kann und eine Erhöhung der Verwertungsrate erreicht wird. Es gibt kein einheitliches Konzept zur Abfallvermeidung auf Baustellen, jedoch kann durch den flexiblen Einsatz verschiedener Sammelsysteme für jede Baustelle eine entsprechende Trennung vor Ort durchgeführt werden. Einschulung, Information und Motivation aller betroffenen Arbeitnehmer ist für den Aufbau eines abfallarmen Baustellenbetriebs wichtig.
Die Sortierinsel ist die umweltfreundlichste Verwertungsvariante von Baustellenabfällen. Sie entspricht der gesetzlich verpflichteten Trennung von Baurestmassen und ist bei getrennter Abgabe der Abfälle auch die kostengünstigste Entsorgungsmöglichkeit.
Eine effiziente Möglichkeit, gemischte Baustellenanfälle zu minimieren, ist daher der verwertungsorientierte Rückbau, der gegenüber dem konventionellen Abbruch den Vorteil besitzt, dass durch die Sortierung der einzelnen Materialien in der nachgeschalteten Aufbereitung hochwertige und marktfähige Sekundärrohstoffe produziert werden können. Damit werden Rohstoffe substituiert, Ressourcen und Deponieraum geschont. Die selektive Demontage gewinnt zunehmend an Bedeutung. Voraussetzung ist jedoch ein umfangreicher Planungsprozess vor der Ausführung, wobei das betreffende Gebäude analysiert und ein detailliertes Abfallkataster angefertigt werden muss. Eine Entsorgungsplanung muss mit einem Zeitplan die Demontageschritte aufeinander abstimmen. Der verwertungsorientierte Rückbau bietet mehr als der Neubau zahlreiche Möglichkeiten, Bauabfälle durch Wiederverwendung und / oder Verwertung zu vermeiden. In der Regel ist der kontrollierte Rückbau gegenüber dem konventionellen Abbruch die kostengünstigere Variante. Dieser ökonomische Vorteil des kontrollierten Rückbaus wird jedoch stark von den regionalen Verwertungs- und Entsorgungskosten beeinflusst und kann deshalb nicht verallgemeinert werden.
Eine quantitative Vermeidung von Baustellenabfällen ist auf Grund des derzeit fehlenden Problembewusstsein bei den Akteuren eher schwierig. Wirkungsvolle Vermeidungspotenziale liegen in der Planungsphase. Hohe Gebäudequalität und lange Lebensdauer führen zu einer intensiven Gebäudenutzung und abfallarme und flexible Konstruktionen forcieren den verwertungsorientierten Rückbau von Gebäuden. Eine Vermeidung von bspw. Kunststoffabfällen ist durch eine genaue Materialbedarfsplanung bei Leerrohren, Rohrleitungen und Formteilen möglich. Es können alternative Baumaterialien eingesetzt werden, die einer problemlosen Verwertung oder Beseitigung zugeführt werden können.
In der Durchführungsphase liegen die Vermeidungspotenziale im verbesserten Baustellenmanagement. Ein verstärkter Einsatz von Mehrweggebinden und -systemen bei Baustoffen wie z.B. Silos, Mehrwegbehälter, Mehrwegpaletten usw. kann beachtliche Mengen von Kunststoffverpackungen einsparen. Es kann auf den Einsatz von Verpackungen auch verzichtet werden (z.B. Materialanlieferungen ohne Folienverpackung, Transport von Großlieferung ohne zusätzliche Transportverpackungen).
Die Einflussmöglichkeiten der öffentlichen Hand sind durch Festlegung der rechtlichen Rahmenbedingungen in Form von Bundes- und Landesgesetzen sowie Verordnungen und deren Umsetzung bis auf Gemeindeebene, wozu aber auch die Kontrolle der Einhaltung zählt, gegeben. Die Festschreibung des Einsatzes von verwertbaren Abfällen und Sekundärrohstoffen bei kommunalen Bauaufträgen, sowie die ordnungsbehördliche Überwachung von Anfallstellen und Entsorgungspraktiken ist eine weitere Möglichkeit. Als Auftraggeber und Bauherr bestehen bei Abbrucharbeit und Neubau weitreichende Möglichkeiten den Markt zu beeinflussen. Als Deponiebetreiber und Abfallbehandler kann der Preis mitgestaltet werden.
Wichtigstes Instrument der Planung der Baustellenentsorgung ist die Erarbeitung eines bauprojektsspezifischen Abfallkonzeptes. Basierend auf den Ergebnissen der qualitativen und quantitativen Abschätzung des Abfallaufkommens werden Sammlung und Getrennthaltung, Transport, Lagerung sowie Entsorgung der Abfälle eines Bauprojektes festgelegt. Zu Baubeginn sind die am Bauprojekt vor Ort beteiligten Mitarbeiter des Unternehmens und die Bauleitung der Subunternehmer in das Konzept einzuweisen. Die Schlüsselposition für die Umsetzung der Maßnahmen auf der Baustelle nimmt schließlich der Verantwortliche vor Ort ein.
Er erhält die notwendigen Informationen und Anweisungen vom Bauleiter, aber bereits Grundkenntnisse oder praktische Erfahrung über die Trennung von Bauabfällen besitzen. Gerade die Bauausführenden können manchmal wichtige Tipps über praxisnahe Lösungen für den Baustellenbetrieb geben.
Schlussfolgerung:
Ziel künftiger Bauweisen muss eine gesamtökologisch und technisch sinnvolle Kreislaufwirtschaft insbesondere der mineralischen Baustoffe sein. Die zur Verfügung stehenden Baustoffe sollen möglichst recyclinggerecht gebaut und langfristig im Hinblick auf ihre Recyclingfähigkeit optimiert werden.
In der Konstruktion sind drei Grundsätze von Bedeutung:
- Minimierung der Materialvielfalt
- Vermeidung unlösbarer bzw. nur schwer oder mit hohem Aufwand zu lösender Verbundwerkstoffe und
- Konstruktive Trennbarkeit der Bauteile und Stoffe mit unterschiedlicher Lebensdauer und unterschiedlichen Recyclingtechniken.
Ziel muss es sein, Baustoffe so lange wie möglich im Kreislauf zu führen und den Primärstoffanteil, der in die Kreisläufe einfließt, zu minimieren. Gasamtökologisch müssen die der zur Rückführung in den eigenen Stoffkreislauf aufzuwenden Energie und die dabei erzeugten Emissionen mitbedacht werden. In vielen Fällen sind neue Konstruktionsprinzipien und kreislauforientierte Stoffansätze erforderlich, um ein gesamtökologisches Optimum zu erreichen.
Ein Großteil der Baustoffe bzw. Bauteile weist zumindest die theoretische und technische Möglichkeit einer Wieder- bzw. Weiterverwendung und / oder eines Materialrecyclings auf. Die erneute Verwendung gebrauchter Bauteile ist zwar quantitativ nur in geringerem Umfang als das Materialrecycling möglich, sie stellt aber eine qualitativ höherwertige Recyclingstufe und einen wesentliche Beitrag zu intelligenten Materialkreisläufen dar. In jedem Bauprojekt sollte daher die Möglichkeiten einer Wieder- bzw. Weiterverwendung von Bauteilen geprüft werden. Für zukünftige Neubauten ist eine spätere Wiederverwendung von Bauteilen oder eine Verwertung von Baustoffen bereits bei der Planung zu berücksichtigen. Es gilt das Motto: „Prozessorientiertes Entwerfen ist der Schlüssel zum recyclinggerechten Konstruieren“. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Rückbaumaßnahmen nicht erst am Ende der gesamten Lebensdauer eines Bauwerkes anfallen, sondern bereits während der Nutzungsphase im Zuge von Umbauten, Ausbauten und des Tausches nicht mehr funktionstüchtiger Bestandteile.
Das primäre abfallwirtschaftliche Ziel – Vermeindungs- und Verwertungspotenziale von Baustellenabfällen auszuschöpfen – wird durch Wiederverwendung von Bauteilen, durch Substitution von umweltgefährdenden Baustoffen und Baustoffverbindungen, sowie durch getrennte Erfassung der verschiedenen Anfallfraktionen auf der Baustelle erreicht.
Laut AWG ergibt sich die Verpflichtung zur Abfallvermeidung und schadlosen Abfallverwertung. Nur wenn dies nicht möglich ist, kann eine Abfallbeseitigung (Behandlung / Ablagerung) in Frage kommen. Durch abfallarme Konstruktionen, entsprechenden Rückbau, Aufbereitung und Wiederverwertung von Bauteilen sowie Herstellung gütegesicherter Qualitätsbaustoffe aus Abfällen wird die Bau- und Recyclingwirtschaft diesen Forderung gerecht. Die Weichen eines abfallarmen Baustellenbetriebes werden in der Planungsphase eines Bauvorhabens gestellt. Hier haben Auftraggeber und Planer, insbesondere in der Ausführungsplanung und Ausschreibung, die Möglichkeit, abfallvermeidende Bauverfahren und Baustoffe zu berücksichtigen, und somit für den späteren Baustellenbetrieb Entsorgungskosten einzusparen.