Nachhaltige Abfallvermeidung in Wiener Krankenanstalten und Pflegeheimen

Archivmeldung vom 23.06.2010.
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Projekt der Ressourcen Management Agentur (RMA) im Auftrag der INITIATIVE "Abfallvermeidung in Wien", MA 48, 2003

Inhalt, Ziele und Methode:

Abfallvermeidung findet primär an der Quelle statt. Um inputseitige abfallvermeidende Maßnahmen setzten zu können, ist Wissen über die Zusammensetzung der verwendeten Artikel notwendig. Daher werden in diesem Projekt Methoden und Grundlagen zur Analyse der Herkunft von Abfällen weiterentwickelt und gleichzeitig in drei Spitälern (Krankenhaus Lainz, SMZ Baumgartner Höhe, Gottfried v. Preyer’sches Kinderspital) implementiert. Ein zentrales Ergebnis dieses Projektes ist die Möglichkeit, der quantitativen und finanziellen Beurteilung von Vermeidungspotentialen und möglicher Vermeidungsmaßnahmen.

Ziel dieses Projektes ist es Grundlagen für eine Optimierung des Abfallmanagements von Krankenanstalten zu schaffen. Darauf aufbauend, werden konkrete abfallvermeidende Maßnahmen für drei Wiener Krankenanstalten entwickelt und erste praktische Schritte in der Umsetzung gesetzt.

Das Projekt läuft in zwei Phasen ab. In einem ersten Schritt werden die Grundlagen für die Erstellung einer Input-Output-Analyse erarbeitet. Aus den daraus erzielten Ergebnissen werden in einem zweiten Schritt gemeinsam mit den Umweltteams der Krankenhäuser Maßnahmen abgeleitet und konkrete Umsetzungsprojekte gestartet.

In der ersten Projektphase wird eine Input-Output-Analyse erstellt. Diese verbindet die Daten des Artikelverbrauchs aus der Kostenrechnung mit Daten über Zusammensetzung und Entsorgungsweg der Artikel. Dadurch wird der Weg eines Artikel vom Einkauf bis zur Entsorgung nachvollziehbar. Aus den Verbrauchsdaten des Jahres 2002 werden die verbrauchsstärksten 3.500 kurzlebigen Artikel ausgewählt. Diese Artikel werden von den Spitälern zu Verfügung gestellt. In einer Probenahme vor Ort werden bei der Analyse Gewichte, Zusammensetzung und Entsorgungsweg von Artikel und Verpackungen bestimmt. Weiters werden medizinische Artikel aus Kunststoff auf PVC überprüft und der PVC-Anteil bestimmt. Mit dem speziell entwickelten Softwaremodul („Der Connector“) werden für jedes Krankenhaus Abfallmengen und Abfallzusammensetzung aus dem Artikelverbrauch errechnet.

In der zweiten Projektphase werden gemeinsam mit den Krankenhäusern Vermeidungsprojekte entwickelt und deren Umsetzung initiiert. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus der Input-Output-Analyse werden bei mehreren Workshops in den Krankenhäusern präsentiert und diskutiert. Als zusätzliche Hilfestellung für mögliche Projekte werden nationale und internationale Best Practice Beispiele vorgestellt. In Kleingruppen werden schlussendlich Projektideen entworfen. Auf diese Weise konnten mit der Input-Output-Analyse für jedes Krankenhaus spezifische Handlungsschwerpunkte identifiziert und Projektideen konkretisiert werden. Dabei kam dem interdisziplinären Umweltteam eine wichtige Rolle zu, um die Auswirkungen der Projekte auf die verschiedenen Berufsgruppen zu beleuchten.

Wichtig für den Erfolg von Umweltprojekten ist die Information und Motivation aller Beteiligten. Um zu Projektbeginn die Ziele und das Vorgehen des Projekts NABKA dem Personal bekannt zu machen und um die Ergebnisse für alle Interessierten zugänglich zu machen, wurden mehrere Folder und ein Poster erstellt.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen:

Die drei Input-Output-Analysen, welche auf Basis der Verbrauchsdaten des Jahres 2002 erstellt wurden, zeigen für das Krankenhaus Lainz (KHL) einen Artikelverbrauch von 2,4 Mio. kg, für das SMZ Baumgartner Höhe (SMZ B) einen Verbrauch von 2,0 Mio. kg und für das Preyer’sches Kinderspital (PRE) 0,17 Mio. kg. Grundlage ist eine Datenbanken mit ca. 3.500 Artikeln, in der Gewicht und Zusammensetzung von Artikel und Verpackung der meistverbrauchten Artikel der Spitäler erfasst sind. Weiters ist der PVC-Anteil von ca. 200 medizinischen PVC-hältigen Artikeln enthalten.

Die theoretisch errechneten Ergebnisse der Datenbank (Soll-Werte) können mit den tatsächlichen Abfallmengen (Ist-Werte) verglichen werden. Damit können Schwachstellen und Einsparungspotentiale aufgezeigt werden und es wird ein Controlling von bereits durchgeführten Umweltprojekten ermöglicht.

Die Input-Output-Analyse zeigt, dass von den etwa 8.000 eingesetzten Artikeln nur wenige hundert für das Abfallaufkommen hauptverantwortlich sind. Lebensmittel dominieren den Inputfluss. Weiters sind Artikel aus dem medizinischen Bereich wesentlich. Der Beitrag der Büromaterialien am Inputfluss ist gering. Der Verpackungsanteil von durchschnittlich 14 % zeigt, dass die Artikel bestimmend für Menge und Zusammensetzung der Abfälle sind und nicht die Verpackungen. Jene sensiblen Bereiche, wo durch gezielte Maßnahmen das Abfallaufkommen massiv beeinflusst werden kann, sind somit identifiziert.

Die PVC-Bilanz ergibt, dass durch den Ersatz der 13 wichtigsten PVC-hältigen Artikel durch PVC-freie Artikel der PVC-Fluss in jedem der Häuser mindestens halbiert werden kann.

In den drei Spitälern wurden 25 weiterführende Projektideen mit unterschiedlichen Schwerpunkten entwickelt. Davon werden 2004 in den drei Krankenhäusern 10 Vermeidungsprojekte umgesetzt. Das KHL setzt sich zum Ziel, das Aufkommen von medizinischem Restmüll zu senken. Das SMZ B konzentriert sich auf die Reduktion der gefährlich Spitalsabfälle. Um Abfälle zu vermeiden, werden beide Krankenanstalten den Einsatz von Artikeln bei weiteren Umweltprojekten focieren. Das PRE will seinen bereits hohen Umweltstandard halten. Ein gezielter Ausstieg aus PVC und eine stärkere Berücksichtigung von Projektideen der Mitarbeiterlnnen sollen dazu beitragen.

Aus dem Projekt können die folgende Schlussfolgerungen gezogen werden:

  • Mit den erhobenen Daten und der damit aufgebauten Datenbank („Der Connector“) steht ein effizientes Werkzeug für eine Optimierung der Abfallwirtschaft zur Verfügung.
  • In den drei beteiligten Krankenhäusern wurden Grundlagen geschaffen, die einfach auf andere KAV-Spitäler umgelegt werden können.
  • Input-Output-Analysen, die Einkauf und Entsorgung verknüpfen, sind eine Grundvoraussetzung für die bewusste Steuerung der Flüsse im Unternehmen.
  • In den drei Krankenhäusern wurden 10 Vermeidungsprojekte initiiert, die 2004 umgesetzt werden. Die entwickelten Projekte haben auch eine Vorbildwirkung für andere Krankenhäuser des KAV.
  • Effizientes Abfallmanagement verlangt interdisziplinäre Zusammenarbeit. Interdisziplinär zusammengesetzte Umweltteams sind eine Voraussetzung für den Erfolg.

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