Evaluierung des Restmüllvermeidungspotentials durch aufkommensbezogene Verrechnung der Abfallentsorgung in Einkaufszentren

Archivmeldung vom 23.06.2010.
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Projekt der TPA Energie- und Umwelttechnik GmbH in Kooperation mit dem Einkaufszentrum Auhof Center im Auftrag der INITIATIVE "Abfallvermeidung in Wien", MA 48, 2003

Die Einführung einer aufkommensbezogenen Verrechnung von Restmüll in einem Wiener Einkaufszentrum soll die im Einkaufszentrum integrierten Betriebe zur Abfallvermeidung motivieren. Im Vordergrund steht dabei, durch regelmäßige Information über die entsorgten Abfallmengen und den damit verbunden Entsorgungskosten, einen Anreiz zur Reduktion dieser Kosten zu schaffen. Das Projekt wurde in Kooperation mit der Betriebsführung des Auhof Centers im Westen Wiens durchgeführt.

Vor dem Modellversuch wurden die Abfallmengen und die -zusammensetzung erhoben. Durch Befragung der Betriebsverantwortlichen wurden allgemeine und branchenspezifische Daten ermittelt, da die Ergebnisse für die im Einkaufszentrum tätigen Brachen aufbereitet wurden. Weiters wurde anhand eines Fragebogens das Umweltbewusstsein der Betriebsverantwortlichen bewertet.

Im 26 Wochen dauernden Modellversuch wurde ein Müllverwiegesystem, welches die verursachergerechte Abfallkostenverrechnung ermöglicht, eingesetzt. Die 63 Betriebe des Einkaufszentrums meldeten sich über einen Transponderschlüssel am System an. Der Entsorgungsvorgang wurde registriert und die Daten auf einem zentralen Rechner gespeichert. Monatlich erhielten die Betriebe eine Information über die entsorgten Abfallkosten und -mengen. Die Entsorgungsdaten wurden wöchentlich ausgewertet und in Bezug zu den entleerten Restmüll- und Werstoffbehältern gestellt.

Nach dem Modellversuch wurde erneut die Restmüllzusammensetzung analysiert um Hinweise auf ein geändertes Entsorgungsverhalten der einzelnen Branchen zu erhalten. In einer Fragebogenerhebung wurden, wie schon zu Projektbeginn, Fragen zum Umweltbewusstsein der Betriebsverantwortlichen gestellt, um eine Tendenz über eine mögliche Sensibilisierung der Verantwortlichen für umweltbezogenen Themen zu ermitteln.

In persönlichen Interviews wurde die Akzeptanz der Nutzer für das System und die, während des Projektverlaufs durchgeführten Abfallvermeidungs- und Abfalltrennmaßnahmen, evaluiert.

Weiters wurden die Rahmenbedingungen erhoben, unter denen die Einführung einer aufkommensbezogenen Abfallkostenverrechnung möglich und sinnvoll erscheint.

Zur Bestimmung des Einflusses des Systems auf die Abfallentsorgung im Einkaufszentrum wurden folgende Daten erhoben:

  • Art und Menge der entsorgten Abfälle, der im Einkaufszentrum integrierten Betreibe, wurden mittels Befragung und Stichprobenanalysen erhoben. Historische Abfalldaten wurden dem Abfallwirtschaftskonzept entnommen.
  • Die Zusammensetzung des Restmülls wurde anhand von Sortieranalysen festgestellt.
  • Die Restmüllmasse während des Modellversuches wurde mittels eines geeichten Müllverwiegesystems, welches die Wiegedaten automatisch an einen zentralen Rechner weiterleitet, ermittelt. Die Wiegedaten bildeten die Basis für die monatliche Verrechnung.
  • Die Volumina der entsorgten Abfallfraktionen wurden anhand der Anzahl der Behälterentleerungen ermittelt.
  • Die Akzeptanz der Nutzer gegenüber dem eingesetzten Müllverwiegesystem wurde anhand persönlicher Befragungen der Betriebsverantwortlichen festgestellt.
  • Die Erhebung der Änderung des Umwelt- und Kostenbewusstsein wurde anhand graduierter Fragebögen ermittelt (Rating-Scalen)
  • Daten über den Geschäftsumsatz des Einkaufszentrums bzw. über die Besucherfrequenz wurden von der Betriebsleitung des Einkaufszentrum zur Verfügung gestellt.

Durch die Einführung eines Müllverwiegesystems und der damit ermöglichten aufkommensbezogenen Verrechnung des Restmülls, konnte ein positiver Effekt auf die Motivation, der im Einkaufszentrum integrierten Betriebe, die Restmüllmengen zu reduzieren, nachgewiesen werden.

Währen die Wertstoffmengen korrespondierend mit den Umsatzzahlen des Einkaufszentrums im Verlauf des 26 Wochen dauernden Modellversuches stark ansteigen, blieben die Restmüllmengen auf konstantem Niveau. Unter Einbeziehung des Umsatztrends und der Schwankungen der Betriebsanzahl, kann in der zweiten Hälfte des Modellversuches eine Restmüllreduktion zwischen 8 und 43 % bezogen auf die erste Woche des Modellversuches ermittelt werden.

44 % der 57 befragten Betriebe führten Maßnahmen zur verbesserten Abfalltrennung durch. Diese Betriebe erreichten eine Restmüllreduktion von bis zu 47 % in der 2. Hälfte des Versuchszeitraumes, während die anderen Betriebe einen starken Anstieg des Restmülls im Verlauf des Modellversuches verzeichneten.

Nur 2 Betriebe führten Abfallvermeidungsmaßnahmen durch. Die Auswirkung dieser Maßnahmen ist, in Bezug auf die Gesamtabfallmenge des Centers, vernachlässigbar.

Drei Betriebe des Einkaufszentrums verursachten über 58 % der gesamten Restmüllkosten. Alle Betriebe gehörten zur Gruppe der Tourismusbetriebe und erzeugten und/oder verkauften Lebensmittel und Getränke. Im Vergleich zur nutzflächenabhängigen Abfallkostenaufteilung kam es durch die aufkommensbezogene Verrechnung zu starken Kostenverschiebungen. Insgesamt profitierte der Handel von diesem System, während Tourismusbetriebe (Gastronomie) bis zum 15-fachen der bisherigen Abfallkosten zu tragen hatten.

Insgesamt kam es zu einer 30 %-igen Kostenreduktion aufgrund der reduzierten Restmüllmenge.

Anhand der Restmüllanalysen wurde festgestellt, dass vorwiegend Karton/Papier (aus dem Handel) und biogene Abfälle (Restaurant und Lebensmittelhandel) reduziert wurden, während die Menge an Kunststoff und Verbund nahezu gleich blieb.

Für die wenigen Betriebe mit hohen Anfallmengen ergibt sich aufgrund des Systems ein starker Kostendruck. Für die meisten Betriebe dürfte die Motivation Kosten zu sparen und damit Abfälle zu vermeiden, aufgrund der geringen jährlichen Abfallkosten, gering sein.

Generell sind die Betriebsverantwortlichen mit dem Ziel der Abfallvermeidung überfordert. Bei Filialbetrieben ist die Einbeziehung der Zentralen unbedingt notwendig, da für die effektive Umsetzung von Vermeidungsmaßnahmen z.B. der zentrale Einkauf wesentliche Bedeutung hat. In Verbindung mit entsprechender Beratung kann das erprobte System sehr zielführend zur Umsetzung von Vermeidungsmaßnamen verwendet werden, zumal die Akzeptanz der Nutzer für das System sehr hoch ist.

Nach derzeitigen Bedingungen sollte der Einsatz eines Müllverwiegesystems für Einkaufszentren ab einer Höhe der Entsorgungskosten von ca. 13.000 Euro jährlich (bei einem Einsparpotenzial von ca. 30 % ) in Erwägung gezogen werden.

Vor der Umstellung auf aufkommensbezogene Verrechnung sollten die bestehenden Mietverträge geprüft werden. Sehr oft ist ein Umstieg nur mit der Zustimmung aller im Einkaufszentrums integrierten Betriebe möglich. Bei der Neuinbetriebnahme eines Einkaufszentrums ist die Evaluierung des Systems unbedingt empfehlenswert.

Programme zur Beratung bei der Umsetzung von Abfallvermeidungsmaßnahmen, wie sie von der Stadt Wien schon seit langem angeboten werden, sollten vor allem zu Beginn durch die Betriebe in Anspruch genommen werden. In Verbindung mit der Onlineregistrierung und der möglichen Zuordnung der Abfälle wird die systematische und effektive Umsetzung von Abfallvermeidungsmaßnamen ermöglicht.

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