Abfallvermeidung in Wien-Alsergrund
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Projekt des Österreichischen Ökologie-Instituts im Auftrag der INITIATIVE "Abfallvermeidung in Wien", MA 48, 2003
Im Jahr 1999 startete in Wien Alsergrund der Prozess der Lokalen AGENDA 21. Dieser Prozess hat zum Ziel, Aktionsprogramme für das 21. Jahrhundert zur Lösung der sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Probleme zu erarbeiten. Unter Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien findet hierbei die Umsetzung konkreter lokaler Projekte statt. Bewohnnerlnnen und Berufstätige des Bezirks sowie Interessierte aus andern Wiener Gemeindebezirken sollen für die Beteiligung am Prozess der lokalen Agenda gewonnen werden. Bürgerbeteiligungsprozesse bieten eine gute Voraussetzung für die Umsetzung von Abfallvermeidungsmaßnamen auf Bezirksebene, da bereits bestehende Strukturen der Agenda 21 genutzt werden können. Gemeinsam mit der Bevölkerung wurde ein Abfallvermeidungskatalog erarbeitet und Pilotprojekte zum Thema Abfallvermeidung in Wien Alsergrund durchgeführt. Auch die Bezirksvorstehung unterstütze die Umsetzung des Projektes.
In Wien Alsergrund, dem 9. Wiener Gemeindebezirk, leben 37.816 (Volkszählung, 2001) Einwohnerlnnen. In dem dicht bebauten Stadtteil sind zahlreiche Gastronomiebetriebe, Schulen und Geschäfte sowie kulturelle Institutionen angesiedelt. Jede Bewohnerin und jeder Bewohner des 9. Bezirks produziert jährlich rd. 500 kg kommunale Abfälle (19.000 t) [1], das sind um rd. 60 kg mehr als im Wiener Durchschnitt.
Informationsmängel zum Thema Abfallvermeidung und fehlende Alternativen für einen abfallarmen Konsum sind die wichtigsten Gründe, warum die Bewohnerlnnen sich bei der konkreten Umsetzung von Abfallvermeidungsmaßnahmen schwer tun. Daher wurde im Zuge des Projekts versucht, mit den Bürgerinnen und Bürgern gemeinsam Strategien zur Umsetzung von lokalen Abfallvermeidungsmaßnahmen zu entwickeln und auch zu realisieren. Die umgesetzten Pilotprojekte zeigen in erster Linie, wie die Bewohnerlnnen durch das eigene Konsumverhalten einen aktiven Beitrag zur Abfallvermeidung leisten können.
Inhalt:
Inhalt des Projekt sind zielgruppenspezifische Maßnahmenpakete zur Vermeidung von kommunalen und betrieblichen Abfällen auf Bezirksebene. Für private Haushalte, Gewerbebetriebe wie bspw. Gastronomie, Büros, Geschäfte und öffentliche Einrichtungen wie Studentenheime, Kindergärten, Schulen, usw., werden abfallvermeidende Maßnahmen definiert. Mit dem Fokus auf die örtlichen Gegebenheiten, die Bevölkerungsstruktur und unter Einbindung der Maßnahmen in den Prozess der Lokalen AGENDA 21 am Alsergrund werden für ausgewählte Vermeidungsmaßnahmen Umsetzungsstrategien entwickelt. Pilotprojekte werden vom Projektteam in Kooperation mit den Zielgruppen, der Lokalen AGENDA 21 am Alsergrund und Vertretern des Bezirkes umgesetzt.
Ziele:
Ziel des Projektes ist die Vermeidung kommunaler und betrieblicher Abfälle auf Bezirksebene. Hierfür wurden vom Projektteam ein zielgruppenspezifischer Abfallvermeidungskatalog sowie Umsetzungsstrategien mit der Lokalen AGENDA 21 am Alsergrund umgesetzt.
Das vorliegende Projekt ermöglicht die Einbindung des Themenbereichs Abfallvermeidung in den Bürgerbeteiligungsprozess und schafft somit die Basis für die aktive Umsetzung der Abfallvermeidungsmaßnahmen im Bezirk. Vermeindungsmaßnahmen, die auf Bezirksebene erfolgreich durchgeführt wurden, können Vorbildcharakter für das gesamte Stadtgebiet haben.
Methode der Bearbeitung und Daten:
Die abfallwirtschaftlichen Rahmenbedingungen (z.B. Bevölkerungs- und Bebauungsstruktur), die abfallwirtschaftliche Ist-Situation, die Problemfelder sowie der Optimierungsbedarf bei der Abfallvermeidung auf Bezirksebene wurden auf Basis vorhandener Literatur und Zahlenmaterial erhoben. Die Interviews mit den Bewohnerlnnen, Geschäftsleuten und Vertreterlnnen des Bezirks dienten zur Erhebung des Stimmungsbildes in Bezug auf die Problemfelder und den Optimierungsbedarf. Parallel zu den Erhebungen im Bezirk wurden ein Ideenpool und in weiterer Folge ein Abfallvermeidungskatalog für das dicht bebaute Stadtgebiet des Bezirks erstellt. Es wurden mehrere Workshops abgehalten, um gemeinsam mit den Bewohnerlnnen des Bezirks Ideen zur Abfallvermeidung zu sammeln. In weiterer Folge sind die entstandenen Projektideen in gemeinsamer Arbeit konkretisiert vom Projektteam ausgearbeitet worden.
Nach Abstimmung mit der MA 48 und der Lokalen AGENDA 21 am Alsergrund wurden Vermeidungsmaßnahmen aus dem Abfallvermeidungskatalog bzw. die Ergebnisse der Workshops zur weiteren Bearbeitung ausgewählt. Das Projektteam erarbeitete Umsetzungsstrategien für die ausgewählten Vermeidungsmaßnahmen. Für jedes Pilotprojekt wurden Meetings mit den Betroffenen organisiert, wobei die Umsetzungsstrategien diskutiert und überarbeitet wurden.
Ergebnisse:
Das Ergebnis der Suche und Erfassung von abfallvermeidenden Maßnahmen für das dicht bebaute Stadtgebiet ist eine Zusammenstellung der Projekte in Form eines Ideenpools. Damit werde die Auswahl der für den Bezirk geeigneten Maßnahmen und die Abstimmung der Vermeidungsmaßnahmen auf die Rahmenbedingungen im 9. Bezirk erleichtert. Die Beschreibung der Maßnahmen beinhaltet auf internationaler oder nationaler Ebene positive und negative Erfahrungen, Einsparpotenziale sowie Kontaktadressen. Es wurden insgesamt 27 Vermeidungsideen dokumentiert.
Parallel dazu wurde mit Unterstützung der Lokalen AGENDA 21 ein Bürgerlnnentreffen organisiert. Durch eine intensive Bewerbung des Treffens in den Bezirkszeitungen und mit schriftlichen Einladungen war die Teilnehmerlnnenzahl zufriedenstellend. Im Rahmen des Ideenworkshops wurden am 19. Mai 2003 gemeinsam mit BürgerInnen, der Bezirksvertretung, der Lokalen AGENDA 21 und der MA 48 Projektideen gesammelt und nach dem Workshop u. a. mit dem Abfallvermeidungsplan „Weg zu weniger Abfall“ konkretisiert. Dieser Plan stellt Informationen, Kontakte und Adressen für den 9. Bezirk zum Thema Abfallvermeidung bereit. Ein weiteres Pilotprojekt wurde in der Schule KMS Glasergasse realisiert. In Zusammenarbeit mit Frau Andrea Buczko, Lehrkraft an der Schule und Mitarbeiterin in Lokalen AGENDA 21 Prozess, wurde die Idee geboren, im Unterrichtsfach „Hauswirtschaft und Ernährung“ Abfallvermeidung zum Thema zu machen. Gemeinsam wurde mit den Schülerlnnen der anfallende Abfall sortiert und Vermeindungsmaßnahmen besprochen.
In Kooperation mit der Heimleitung und studentischer Heimvertretung im Studentenwohnheim Albert-Schweitzer-Haus wurde zunächst der abfallwirtschaftliche Status quo erhoben und anschließend Möglichkeiten zur Optimierung gesucht.
Auf Einladung der Bezirksvorstehung (Frau Martina Malyar) konnte das Projektteam bei einer Sitzung des Umweltausschusses der Bezirksvertretung Wien Alsergrund das Projekt vorstellen und so an die potentiellen Multiplikatoren herantreten.
In Kooperation mit dem Betreiber der Summerstage wurde ein Abfallvermeidungskonzept erstellt, in dem Abfallvermeidungsmaßnahem konkretisiert wurden, die beim Betrieb der Summerstage 2004 realisiert werden sollen.
Im Zuge der Akquisition von Pilotprojekten wurden zahlreiche Gespräche mit potentiellen Akteuren geführt. Ein Treffen mit Vertretern verschiedener Abteilungen der Bundespolizeidirektion Wien (insbesondere das Büro für Budget, Logistik und Infrastruktur) führte zur Erkenntnis, dass im Zuge dieses Projektes keine Abfallvermeidungsideen in der Rossauer Kaserne umgesetzt werden können. Ebenso führten die Gespräche mit den Leiter des Afroasiatischen Instituts, den Verantwortlichen für den Adventmarkt Altes AKH, mit verschiedenen Hoteliers, Gastronomiebetreibern, Lebensmitteleinzelhändlern und Dienstleistungsbetrieben nicht zur gewünschten Umsetzung eines Pilotprojekts.
Schlussfolgerungen und Maßnahmenvorschläge:
Bei der Planung des Projekts Abfallvermeidung in Wien Alsergrund ging das Projektteam davon aus, dass Bürgerbeteiligungsprozesse eine gute Voraussetzung für die Umsetzung von Abfallvermeidungsmaßnahmen auf Bezirksebene bieten, da bereits bestehende Strukturen der Agenda 21 genutzt werden können. Auch die Unterstützung durch die Bezirksvorstehung versprach eine erfolgreiche Umsetzung des Projektes.
Für den Großteil der Bevölkerung ist „Mülltrennung“ gleich Abfallvermeidung. Eine Verhaltensänderung der einigen Kaufgewohnheiten ist jedoch die einzige Möglichkeit, um Abfall im eigenen Lebensumfeld tatsächlich zu vermeiden. Dies ist im Bewusstsein der Bevölkerung noch nicht wirklich verankert. Die große Akzeptanz und aktive Mitarbeit der Bevölkerung bei der Mülltrennung zeigen die Bilanzen der getrennten Sammlung bspw. von Altpapier und Altglas. Um einen ähnlichen Erfolg beim Thema Abfallvermeidung zu erzielen, ist es notwendig, die richtigen Transportmittel für die richtigen Botschaften zu finden. Die derzeitige Diskussion über die Umstellung der Kunststoffverpackungssammlung wird die Informationsarbeit zur Abfallvermeidung nicht wirklich erleichtern. Der Bevölkerung muss klargemacht werden, dass durch die geänderten Rahmenbedingungen in der Gesetzgebung die Mülltrennung weiter ein wichtiger Bestandteil einer nachhaltigen Wirtschaftsweise und eines nachhaltigen Lebensstils ist.
Es ist gelungen, zwei konkrete Vermeidungsprojekte – den Abfallvermeidungsplan Alsergrund und das Schulprojekt in der Glasergasse – gemeinsam mit der Bevölkerung umzusetzen. Der Erfolg des Schulprojekts in der Glasergasse kann daran gemessen werden, dass die Abfallberatung der MA 48 die Idee aufgegriffen hat und das Projekt wienweit durchführt. Wenn die Evaluation des Abfallvermeidungsplans Alsergrund positiv verläuft, ist die wienweite Umsetzung dieser Idee empfehlenswert.
Die Zielgruppe der Studierenden mit ihrer Multiplikatorenwirkung und die politische Ebene im Bezirk sind geeignete Transporteure von Abfallvermeidungsideen. Die wienweite Umsetzung der Pilotprojekte im Studentenwohnheim und im Umweltausschuss könnte das vorhandene Abfallvermeidungspotential ausschöpfen. Der Synergieeffekt mit dem Wiener Ökobusinessplan und dem österreichischen Umweltzeichen soll genützt werden, um Projekte für die Gastronomie und den Eventbereich wienweit umzusetzen. Engagierte Gewerbetreibende sind mit den richtigen Argumenten zu überzeugen, Eigeninitiative zu ergreifen und Vermeidungsideen im Betreib zu realisieren.